Mai
12
2016

Pompeji neu entdecken

Für die Bewohner war es eine Katastrophe – für die Archäologie ist es ein Glücksfall: Der Ausbruch des Vesuv 79 nach Christus. Dank modernster Lasertechnologie kommen heute neue Details über das Leben in Pompeji und Herculaneum ans Licht.

Mit einem Methodenmix aus verschiedenen Ansätzen gelang es Forschern, letzte Mysterien und Legenden um Pompeji aufzudecken. Die renommierte Althistorikerin Mary Beard ging mit ihrem Team systematisch auf Spurensuche und brachte Schicht für Schicht neue Erkenntnisse ans Licht. Sie erforschte das Alltagsleben in der antiken römischen Stadt und lenkte den Blick auf die Schicksale hinter den tragischen Opfern: Gladiatoren, Sklaven, Geschäftsfrauen und Kinder, die alle am Golf von Neapel ihr Grab fanden. Dazu kombinierte Beard mehrere Spezialanwendungen: Computertomographie, Aerial-Photogrammmetrie sowie 3D Laserscanning. Unterstützt wurde das Team von Estelle Lazer und Spezialisten der Universität Sidney.

Entstanden ist eine facettenreiche Darstellung vom Leben und Arbeiten in Pompeji. Die einstündige Dokumentation, die für BBC One produziert wurde, zeigt die beeindruckenden Ergebnisse von „Lion Television“. Eine Kurzfassung für Frankreich und USA ist geplant.

Was im Film so leicht aussieht, ist das Ergebnis einer logistischen Meisterleistung und exakten Timings. In Pompeji mussten sich die Vermesser das Gelände nicht nur mit Wissenschaftlern sondern auch mit Besuchern der Ausgrabungsstätte teilen. Entsprechend limitiert waren die zeitlichen Möglichkeiten, die Freiflächen aufzunehmen. Hier bewährte sich der Laserscanner FARO Focus3D X 330. Die Experten von ScanLAB Projects entschieden sich für den Hochleistungsscanner, da er speziell für Outdoor-Anwendungen entwickelt wurde. Klein und kompakt ist er auch bei schwer zugänglichem Gelände einsetzbar und hat die enorme Reichweite von bis zu 330 Metern. Teilweise waren ScanLAB Projects mit zwei Laserscannern X 330 gleichzeitig im Einsatz und schickten zudem eine Drohne für Aufnahmen in die Luft. In der Langfassung des Films werden die Zuschauer nun mitgenommen auf einen Rundgang durch die antike Stadt: Römische Bäder, Amphitheater und Mosaikhaus sind nur einige der Stationen. Dazu kommt eine Komplettansicht aus der Vogelperspektive.

Die Projektbeteiligten sind sich einig. Die neuen Bilder erweitern die bisherige Lesart der antiken italienischen Stätte. Damit beginnt quasi eine neue Zeitschreibung in der Entdeckung von Pompeji, das bis heute nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat.

Pompeii New Secrets Revealed from ScanLAB on Vimeo.

Zum Video

Mrz
27
2014

Forschen im antiken Hafen

Zentimeter um Zentimeter erforschen Wissenschaftler und Studierende den antiken Mittelmeerhafen „Portus“. Einen großen Schritt weiter brachte sie im vergangenen Jahr der Einsatz eines FARO Laser Scanner Focus3D .

 

Hafenbecken von Portus.

Das „Portus Project“ hat an der University of Southampton einen guten Namen. Seit über sieben Jahren arbeiten bei diesem Feldprojekt Nahe Roms Nachwuchswissenschaftler aus aller Welt interdisziplinär zusammen. Ziel ist es, mehr über einen der einst größten Häfen der Antike zu erfahren. Portus bildete in der römischen Kaiserzeit eine zentrale Drehscheibe für den Handel zwischen Rom und dem Mittelmeerraum. Zeitweise lebten dort bis zu 40.000 Menschen.

 

Abbildung: Hafenbecken von Portus. RaBoe/Wikipedia

Heute ist das Grabungsgebiet ein beliebtes und wichtiges Studienfeld für junge Archäologen, Physiker, Geologen, Chemiker und Informatiker. Sie lernen dort aktuelle Forschungsmethoden kennen und einzusetzen. Von klassischen Vermessungs- und Analysekriterien bis hin zu modernsten digitalen Technologien mit Laserscanning, netzbasierten Managementsystemen und der Erstellung animierter Graphiken. „Learning by doing“ lautet die Devise, mit der sich die Studierenden wichtige Schlüsselkompetenzen für ihre weitere Laufbahn erwerben.

Im vergangenen Jahr setzten die Studierenden erstmals einen FARO Laser Scanner Focus3D ein und waren begeistert von den neuen Möglichkeiten:

  • das mobile Gerät war einfach zu bedienen
  • in nur drei Wochen konnten sie 250 einzelne Scans erstellen
  • 360-Grad-Ansichten waren in weniger als zehn Minuten umgesetzt
  • der Focus3D lieferte millimetergenaue Abbildungen, die präzise Rückschlüsse auf den ursprünglichen „Portus“ und eine exakte Rekonstruktion zulassen.

Damit hatte das „Portus Project“ eine neue Dimension erreicht. Durch die präzisen Aufnahmen sind künftig auch Forschungen möglich, ohne sich direkt nach Rom zu begeben zu müssen. Zunächst aber wurden auf Grundlage der neuen Daten bisherige Erkenntnisse und Pläne aktualisiert und neue 3D-Modelle entwickelt. Einen Eindruck vom antiken Hafen mit seinem „Palazzo Imperiale“, den Lagerräumen, Therme und der Topographie des Geländes vermittelt ein Film von Doktorand James Miles.

Das „Portus Project“ unterhält übrigens einen eigenen Blog, einen Fotostream und lässt die interessierte Öffentlichkeit und Wissenschaftsgemeinschaft weltweit an den Forschungsprozessen und neuen Erkenntnissen teilhaben. Getragen wird das Projekt von der University of Southampton unter der Leitung von Stephen Keay, der British School at Rome (BSR), der University of Cambridge sowie der Soprintendenza di Beni Archeologici di Ostia.

Jul
26
2012

Airborne Laserscanning: Legendäre Ciudad Blanca entdeckt

Eine Meldung sorgte in Mittelamerika zuletzt für Schlagzeilen. Wissenschaftler glaubten eine verschollene Stätte an der Küste von Honduras entdeckt zu haben: die sagenumwobene Ciudad Blanca. Der Legende nach ist die „weiße Stadt“ Geburtsort des Quetzalcoatl. Mehreren mesoamerikanischen Kulturen war die gefiederte Klapperschlange eine Gottheit. Über die Jahrhunderte berichteten viele Abenteurer von der Entdeckung der Stadt. Doch die neueste Meldung hat eine andere Qualität. Die Wissenschaftler machten ihren Fund durch den Einsatz modernster Technik. Sie überflogen das Gebiet und erfassten es mit einem Laserscanner.

La Ciudad Blanca: das Eldorado Honduras‘

In 1526 überlieferte Cristobol de Pedraza als Erster die Legende in die Alte Welt. Pedraza war Bischoff von Honduras. In einem Brief an den König von Spanien erzählte er von einer Reise zur Miskitoküste. Dort will er von einem Berg aus eine große Stadt mitten im Dschungel gesehen haben. Sein Konvoi berichtete, dass die Herrscher dort von goldenem Geschirr äßen. Auch Conquistador Hernan Cortes stieß bei seinen Feldzügen bereits auf ähnliche Mythen. Über die Jahrhunderte wuchs die Legende. Reporte von Abenteurern zeugten von goldenen Statuen oder schmuckvoll verzierten weißen Steinen, die der Stadt ihren Namen einbrachte. Allein Beweise fehlten.

Airborne Laserscanning als Regierungsprojekt der USA

Die Ciudad Blanca in der 3D-Dokumentation (Bild: University of Houston & National Science Foundation)

Auch in der jüngsten Geschichte machten sich Wissenschaftler auf, die Ciudad Blanca zu finden. Auf Grund der Größe des Dschungels ein schier aussichtsloses Unterfangen. Bis vor wenigen Jahren bestand die einzige Möglichkeit der Erforschung darin, sich mit der Machete durch das Dickicht zu kämpfen. Nun bietet sich Airborne Laserscanning als Alternative an. Die Methode der luftgestützten 3D-Dokumentation ist besonders in den USA auf dem Vormarsch. Die Regierung investiert massiv über die National Science Foundation in die Technologie. Airborne Laserscanning soll in Katastrophengebieten oder zur Dokumentation hinter feindlichen Linien eingesetzt werden.

25 Jahre Forschung in vier Tagen überholt

Airborne Laserscanning kommt aber auch in der Archäologie vermehrt zum Einsatz. Bereits in 2009 unterstützte die National Science Foundation die Suche nach alten Maya-Stätten in Belize. In nur vier Tagen fanden die Wissenschaftler dank des Airborne Laserscannings Ruinen, die sie in 25 Jahren Forschung nicht finden konnten. Im Frühjahr überflogen sie 160 Quadratkilometer des Dschungels von Honduras. In jeder Sekunde schickt der Laserscanner mehr als 100.000 kurze Lichtimpulse zum Boden. Der Scanner misst die Laufzeit, die das Licht nach der Reflexion benötigt, um wieder beim Flugzeug anzukommen. Daraus lässt sich sich die Entfernung zu einzelnen Punkten messen. Aus den Ergebnissen entsteht ein Höhenprofil.

Airborne Laserscanning bringt Ergebnisse in Minuten

Die Technologie erkennt Höhenunterschiede zwischen einzelnen Punkten von 10 Zentimetern. Abweichungen zu GPS-Koordinaten betragen nur bis zu 20 Zentimeter. „Die Ergebnisse sind quasi schritt-genau“, sagt Bill Carter. Der Ingenieur entwickelt an der Universität von Houston die Technologie hinter dem Airborne Laserscanning. In der fertigen 3D-Dokumentation sind viele Details erkennbar. Von Menschen geschaffene Strukturen sind sofort sichtbar. Die Ruinen der Ciudad Blanca entdeckten die Wissenschaftler innerhalb von 5 Minuten. Zu den archäologischen Arbeiten vor Ort werden sie deutlich länger brauchen. Dann müssen sie sich doch wieder mit der Machete durch den Dschungel kämpfen. Dank des Airborne Laserscanning wissen sie aber genau, wo sie suchen müssen.

Mehr zur Entdeckung der Ciudad Blanca mit Hilfe von Airborne Laserscanning lesen Sie auf LiveSCIENCE.

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