Aug
09
2012

Bergung der Costa Concordia geht in die nächste Runde

Im Januar sorgte das havarierte Kreuzfahrtschiff Costa Condordia für Schlagzeilen. Damals untersuchten wir, wie der Einsatz eines Laserscanners theoretisch die Bergungsarbeiten unterstützen könnte. Mittlerweile ist die erste Phase abgeschlossen: Der Treibstoff konnte erfolgreich abgepumpt werden. Zum Einsatz kam u.a. die Laserscanner Technologie.

Havarierte Costa Concordia bedroht gesamte Küstenregion

Ein kurzer Rückblick: Die Costa Concordia kollidierte am 13. Januar mit einem Felsen vor der toskanischen Insel Giglio. Das Schiff flutete, kenterte und liegt seitdem halb versunken im Wasser. Bei dem Unglück kamen 32 Menschen ums Leben. Der Kapitän muss sich vor Gericht verantworten. Das Schiff war für einen so küstennahen Kurs nicht geeignet. Doch mit der Evakuierung der Passagiere allein war nicht alle Gefahr gebannt. In den Tanks lagerten noch knapp 2.400 Kubikmeter Treibstoff, überwiegend giftiges Schweröl. Ein Leck, ein Auslaufen des Öls hätte eine Katastrophe für die gesamte Küstenregion bedeutet.

Laserscanning-Experten unterstützen Bergungscrew

Oberste Priorität hatte daher das Abpumpen des Treibstoffs. Zu Beginn der Arbeiten beschrieben wir, wie  3D-Dokumentation dabei helfen könnte. In der Tat wurden Spezialisten im Laserscanning zu den Bergungsarbeiten hinzugezogen. Marco Bacchiochi von Codevintec berichtete kürzlich auf einem Laserscanning User Meeting, von seinen Arbeiten an der Costa Concordia. Den Erstkontakt stellte die italienische Feuerwehr her: Als erste vor Ort, wollten sie wissen, auf welchem Grund das Schiff lag. Eine ruhige Lage war für die Rettungsarbeiten unerlässlich.

Erste Dokumentationsergebnisse innerhalb weniger Stunden

Codevintec rückte für die Arbeiten mit einem Fächerecholot, einem Höhen- und Positionsmesser und einem Laserscanner an. Die Geräte wurden an Bord des Feuerwehr-Rettungsschiffs „Nereide“ installiert. Nach einer Kalibrierungsphase begann der Scanvorgang um 10 Uhr morgens. Bereits um 15 Uhr lagen dem Bergungsteam die ersten Ergebnisse vor. Das zeigt, mit welcher Geschwindigkeit Laserscanning in Krisensituationen die Rettungsaktionen unterstützen kann. Jedoch verliefen die Arbeiten nicht gänzlich ohne Probleme.

Komplikationen der Arbeit

Die flache metallene Hülle des Schiffes verkomplizierte etwa die bathymetrischen Aufnahmen mit dem Fächerecholot. Auch war es nicht möglich vom Rettungschiff aus die gesamte Costa Concordia per Laserscanner zu erfassen. Das lag zum einen am eingeschränkten Winkel des eingesetzten Laserscanners. Zum anderen am knappen Platz zwischen Concordia und Küste. Der Laserscanner wurde daher auf einer Anhöhe der Küste positioniert, um einen kontinuierlichen und vollständigen Scan des Kreuzfahrtschiffs zu ermöglichen.

3D-Dokumentation liefert unerlässliche Daten

Trotz der Widrigkeiten lieferte das Expertenteam eine schnelle und akurate 3D-Dokumentation. Die gewonnenen Daten über die Beschaffenheit des Meeresbodens und der Lage des Schiffes waren für die Arbeiten der Bergungscrew unerlässlich. „Der Krisenstab war beeindruckt von den Möglichkeiten der 3D-Dokumentation. Allen voran die mögliche Betrachtung der [Costa Concordia] aus verschiedensten Winkeln“, so Bacchiochi. Weitere Scans wurden durchgeführt, „nicht nur, um die Bewegungen des Schiffs zu erkennen. Auch die Deformation des Wracks wurde untersucht.“

Wie geht es weiter?

Die Bergung des Schiffs ist noch lange nicht abgeschlossen. Vielmehr war das Abpumpen der erste – wichtige – Schritt. Im April wurde vermeldet, dass das US-amerikanische Bergungsunternehmen Titan Salvage die Bergung übernimmt. In Zusammenarbeit mit den italienischen Micoperi Marine Contractors soll die Costa Concordia innerhalb eines Jahres schwimmfähig gemacht werden. Das geplante Vorgehen wird in einem Video auf YouTube vorgestellt (siehe unten). Die Kosten für die Bergung belaufen sich auf schätzungsweise $300 Millionen. Die Costa Concordia soll anschließend zu einer italienischen Werft geschleppt und dort abgewrackt werden.

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