Jul
05
2012

Gewicht eines Dinosauriers mit 3D-Dokumentation bestimmt

Im Berliner Museum für Naturkunde steht die weltweit größte Skelettrekonstruktion eines Dinosauriers. Das Exemplar eines Giraffatitans wurde als Fossil des Jahres 2012 ausgezeichnet. Die Pflanzenfresser erreichten eine Gesamtlänge von bis zu 26 Metern und zählen damit zu den größten Landtieren der Erdgeschichte. Doch während sich die Ausmaße der Dinosaurier anhand ihrer Skelette nachvollziehen lassen, konnten Wissenschaftler bisher nur Vermutungen über das Lebendgewicht anstellen. Bill Sellers von der Universität Manchester setzte nun erstmals einen Laserscanner zur Gewichtsbestimmung von Dinosauriern ein.

Herkömmliche Berechnungsmethoden sind zu ungenau

Skelett des Giraffatitans im Naturkundemuseum Berlin (Foto Axel Mauruszat)
Skelett des Giraffatitans im Naturkundemuseum Berlin (Foto Axel Mauruszat)

Das Gewicht prähistorischer Lebewesen wird in der Regel über zwei Verfahren bestimmt: ein Vergleich der Knochen mit denen einer vergleichbaren heutigen Spezies. Hierbei wird darauf vertraut, dass das Gewicht dementsprechend skalierbar ist. Die zweite Alternative ist etwas genauer: Wissenschaftler zeichnen eine Lebendkonstruktion des Tiers und berechnen dessen Volumen. Über die (vermutete) Dichte erhalten sie die Masse.

Laserscanning vielversprechende Alternative

Beide Methoden sind sehr fehleranfällig. Sellers ging beim Giraffatitan jedoch ähnlich der zweiten Variante vor. Mit einem Laserscanner vermaß er das Skelett in Berlin. In der 3D-Dokumentation legt eine Software eine Haut über das Skelett. So lässt sich das Gewicht eines ausgemergelten Tiers berechnen. Ein eher unrealistisches Ergebnis. Der Clou: Sellers testete diese Vorgehensweise an 14 Säugetieren, von Wildschweinen bis hin zu Elefanten. Auch hier lagen die Ergebnisse unter den Durchschnitten der jeweiligen Spezies. Allerdings lagen die Ergebnisse konstant unter dem Schnitt. Die Methode unterschlug stets 21%.

3D-Dokumentation lässt Giraffatitan wieder auferstehen

Das geschieht zuverlässig, da bei der Berechnung in der 3D-Dokumentation Muskeln, Fett und Organe fehlen. Deren Zusammensetzung ist bei allen Säugetieren ähnlich. Ob sich der Ansatz problemlos von Säugetieren auf Dinosaurier übertragen lässt, ist fraglich. Doch mit dem 21%-Aufschlag kam Sellers beim Gewicht des Giraffatitans auf 23,2 Tonnen. Und das unterstützt die jüngsten Vermutungen ohne Einsatz eines Laserscanners, die das Gewicht des Dinos auf 23 Tonnen schätzten.

Laserscanning händischer Berechnung überlegen

Zwar gibt es noch Diskussionen in der Fachwelt über die Validität der Ergebnisse. Sellers Ergebnisse zeigen aber, dass die Methode Zukunft hat: Bei der händischen Berechnung über das Volumen spielt immer ein großer Teil Subjektivität bei der Lebendkonstruktion mit. Sellers schafft durch den Laserscanner und die 3D-Dokumentation – für die Wissenschaft existenzielle – harte Fakten.

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