Mai
16
2012

Präkolumbianische Felszeichnungen für die Nachwelt bewahrt – dank des FARO Laser Scanner Focus3D

GuadeloupeIm März 2012 brach AFT im Rahmen eines umfangreichen Konservierungsprogramms für präkolumbianische Petroglyphen zu einem Digitalisierungsprojekt nach Guadeloupe auf.

Die in prähistorischen Fels eingravierten Zeichnungen aus präkolumbianischer Zeit waren von Zerstörung durch Überflutungen und Erosion bedroht. Daher beschloss der Generalrat von Guadeloupe ein umfangreiches Konservierungsprogramm, um dieses einzigartige historische Erbe für die Nachwelt zu bewahren.

Die Petroglyphen erzählen von der Geburt der Menschheit, von Leben und Tod. Die Fledermausmänner und Froschfrauen in den Felszeichnungen zeigen eine sich entwickelnde Menschheit vor ihrem Verlassen der Höhlen im Berg Canta, einem riesigen Solitärfelsen. Die Petroglyphen repräsentieren die Welt; sie sind ein Mikrokosmos, ein Punkt, an dem Gegensätze aufeinandertreffen. Sie sollen die Menschheit gegen drohende Gefahren schützen, wie Dürren und Überschwemmungen, die in der Folge von Wirbelstürmen auftreten. Die Petroglyphen enthalten außerdem den Rat zur Zurückhaltung in sexuellen Beziehungen, damit ein unkontrollierter Anstieg der Bevölkerungszahl nicht das Überleben der Menschheit gefährdet.

Der Generalrat von Guadeloupe beauftragte die Landvermessungsexperten von AFT (Actual Foncier Topographie) mit der Durchführung dieses Projekts. Und so brach AFT nach Guadeloupe auf, um das Digitalisierungsprogramm mithilfe des FARO Laser Scanner Focus3D in Angriff zu nehmen. In Begleitung eines Archäologen und eines lokalen Führers arbeitete sich das AFT-Team auf der Suche nach prähistorischen Felszeichnungen durch den sumpfigen tropischen Regenwald von Guadeloupe. Das Ziel war es, etwa zehn Felszeichnungen zu digitalisieren, die jeweils eine Größe von 20 bis 30 cm haben.

Vor der Projektvergabe hatte der Generalrat den Einsatz photogrammetrischer Verfahren erwogen, einer Technik, bei der dreidimensionale Formen bzw. die Lage eines Objekts im Raum auf der Basis eines Fotos rekonstruiert werden. Für eine optimale Projektdurchführung schlug AFT dem Generalrat den Einsatz des Focus3D und damit eine einzigartige Technologie vor, die der Rat zuvor noch nicht in Erwägung gezogen hatte.

PetroglypheAuch wenn beide Techniken für diese Art von Projekt relevant sind, lassen sich die Vorteile der 3D-Digitalisierung durch den Focus3D gegenüber der Photogrammetrie nicht leugnen. Die mit dem Focus3D erfassten Daten sind schlicht und einfach zuverlässiger. Darüber hinaus macht die Photogrammetrie zwar die Rekonstruktion der Petroglyphe möglich, erfasst aber nicht deren Umgebung. Die Umgebung, in der die Petroglyphe angetroffen wird, ist jedoch entscheidend für deren Interpretation, da die Form des Steines und seine Position und Ausrichtung ebenfalls von symbolischer Bedeutung sind. Der Focus3D erlaubte die Durchführung des Projekts unter bestmöglichen Bedingungen. Die jeweilige Petroglyphe, der Stein und seine Umgebung wurden digital erfasst, und der Verlust wertvoller Daten für die Interpretation konnte damit verhindert werden.

Durch die geringe Größe und das geringe Gewicht des Focus3D kann ein Projekt auch unter schwierigen Umgebungsbedingungen wie z. B. inmitten dichter Vegetation und zahlloser Flüsse und Bäche durchgeführt werden. „Der Fußmarsch zwischen den verschiedenen Standorten, der jeweils zwischen einer halben und dreiviertel Stunde betrug, wäre mit schwererem und größerem Equipment weitaus mühsamer gewesen. Wir hätten ein starkes Team mit zwei oder drei weiteren Personen benötigt. Dies hätte das Budget sehr beansprucht und möglicherweise sogar die Machbarkeit des ganzen Projekts infrage gestellt“, erläuterte Sébastien Varéa, Direktor von AFT. Er fügte hinzu, dass der Focus3D sich gegenüber den extremen klimatischen Bedingungen des tropischen Regenwalds auf Guadeloupe (hohe Temperaturen in Verbindung mit hoher Luftfeuchtigkeit) als widerstandsfähig erwiesen habe.

Durch die Dichte der mit dem Focus3D erfassten Punkte (bis zu 976.000 Punkte pro Sekunde) konnten die Felszeichnungen mit großer Klarheit und sehr hoher Auflösung protokolliert werden. Die Ergebnisse der Scans erwiesen sich als sehr interessant. Tatsächlich sind auf den Scans Einzelheiten der Zeichnungen zu sehen, die mit dem bloßen Auge nicht erkennbar sind. Das Projekt zur Konservierung des historischen Erbes von Guadeloupe hat damit die ursprünglichen Ziele sogar noch übertroffen, da es zuvor unbekannte Details ans Licht brachte. Die Projektergebnisse werden in einem Museum ausgestellt, in dem die Modelle und 3D-Repliken von der Öffentlichkeit eingehend betrachtet und interaktiv erforscht werden können.

Der Erfolg dieses Projekts hat zur Folge, dass sich AFT im Jahr 2013 erneut auf die Suche nach präkolumbianischen Petroglyphen auf die Insel Guadeloupe begeben wird, um weitere Felszeichnungen zu digitalisieren. Das Abenteuer geht weiter…

ÜBER AFT
AFT (Actual Foncier Topographie) ist eine Gruppe von Landvermessungsexperten, die sich auf die Erfassung topographischer Daten und die Entwicklung von Landkarten spezialisiert haben. Das Unternehmen verfügt über ein umfassendes Spektrum an Informationstechnologien, um neue Arbeitsfelder und Funktionen entwickeln zu können. Die AFT-Teams konzentrieren sich in einem Teilbereich ihrer Arbeit besonders auf kulturelle und historische Denkmäler sowie Elemente der Architektur und Stadtentwicklung.

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