Jan
26
2012

Laserscanner bei Bergung der Costa Concordia im Einsatz

Gut zwei Wochen nach der unglaublichen Katastrophe des havarierte Kreuzfahrtschiff Concordia vor der italienischen Küste, wird nun mit der Bergung des Schiffes begonnen. Die an Bord befindlichen Treibstoffe gefährden die umgebene Natur. Doch das Abpumpen des Sprits dauert mehrere Wochen. Die Bergungscrew setzt nun auf Laserscanner, um Position und Lage der Concordia während den Arbeiten zu kontrollieren.

Bergung der havarierten Concordia beginnt

Auf der Fahrt durch das westliche Mittelmeer passierte die Concordia am Abend des 13. Januars die Insel Giglio. Doch die Größe des Schiffes war nicht für den eingeschlagenen Kurs in Küstennähe geeignet: Die Concordia lief auf Grund, rammte gegen 21:45 Uhr einen Felsen. Über die Backbordseite des Schiffs zieht sich ein knapp 70 Meter langer Riss. Kurz nach der Kollision fluteten mehrere Abteilungen, das Schiff kenterte und legte sich auf eine Seite. Nun, fast zwei Wochen nach dem Unglück, liegt die Concordia unverändert an Ort und Stelle. Für die Bergungsarbeiten ist das unerlässlich.

Laserscanner überwachen Lage und Position der Concordia

Bereits für die Arbeit der Rettungsmannschaften war eine stabile Lage des Schiffs überlebenswichtig. Doch erste Bewegungen des Schiffkörpers, die auf ein Absacken der Concordia hindeuten, wären kaum mit bloßem Auge sichtbar gewesen. Auf den Anhöhen der nahegelegenen Insel positionierte Laserscanner erfassen die havarierte Concordia. Die Laserscanner vermessen innerhalb weniger Minuten das Wrack. Die vielen Millionen einzelnen Messungen der Laserscanner ergeben eine Punktwolke, aus der eine entsprechende Software in Echtzeit ein 3D-Modell generiert. Wird dieser Prozess des Reverse Engineerings, also die Digitalisierung eines realen Objekts, in regelmäßigen Abständen wiederholt, können die Messergebnisse gegeneinander abgeglichen werden. So lassen sich auch kleinste Veränderungen der Lage der Concordia frühzeitig erkennen.

Die havarierte Concordia, gut zu erkennen: Der 70 Meter lange Riss auf der Backbordseite*
Die havarierte Concordia, gut zu erkennen: Der 70 Meter lange Riss auf der Backbordseite*

Größte Herausforderung der Bergung: Abpumpen des Treibstoffs

Nach Abschluss der Rettungsarbeiten geht es nun an das Abpumpen der knapp 2400 Tonnen Treibstoff, die noch an Bord der Concordia lagern. Auch hier ist die regelmäßige Überprüfung per Laserscanner unabdingbar. Bereits kleinste Abweichungen von der aktuellen Position könnten schwerwiegende Folgen haben. Verändert sich die Statik des Schiffs, könnte das Öl austreten und der Umwelt verheerende Schäden zufügen. Viel hat nicht gefehlt, wäre der Rumpf weitere vier oder fünf Meter aufgerissen, hätte es bei der Kollision auch die Öl-Tanks getroffen. Dementsprechend ungeschützt liegen sie nun allerdings auch da. Hohe Wellen könnten die Concordia bewegen und weiter beschädigen. Ein Wettlauf gegen die Zeit, das Wetter soll sich verschlechtern. Dabei dauert das Abpumpen des Treibstoffs mindestens drei Wochen. Das abgepumpte Öl wird mit Wasser ersetzt, um die Gewichtsverhältnisse im Schiff auszugleichen. Auch hier  eignet sich der Laserscanner für einen laufenden Vorher-Nachher-Abgleich, um so sofort die minimalste Änderung aufzuzeigen.

Bergung der Concordia könnte noch Jahre dauern

Rutscht das Schiff ab oder driftet ins Meer werden weitere Bergungsmaßnahmen ungleich schwerer. Der knapp 70 Meter lange Riss auf der Backbordseite der Concordia liegt dank der Schlagseite des Schiffes genau über der Wassernabe. Das Schiff könnte also repariert und komplett geborgen werden. Ist das Leck repariert und das Schiff dicht, könnte die Bergungscrew die Concordia in tieferes Gewässer ziehen. Das Schiff würde sich dann durch die spezielle Bauweise des Rumpfs von alleine wieder aufrichten. Gelingt eine Reparatur nicht, müsste der Gigaliner in 10-15 Stücke zerteilt und einzeln abgetragen werden. Diese Variante würde laut Experten ein bis drei Jahre dauern.

*Nutzung des Bildes und cc-Lizenz, Urheber: Roberto Vongher

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