Dez
15
2011

Wo die Jahrhunderte übereinander liegen

Auf einer Felseninsel am Ufer des Genfersees gelegen, zieht das Chateau Chillon jährlich über 300.000 Besucher aus aller Welt. Das Schweizer Schloss  hat die Jahrhunderte überdauert und wurde dabei immer wieder umgebaut – meist ohne Pläne. Der FARO Laser Scanner ermöglichte die erste umfangreiche 3D-Dokumentation der Anlage.

Archäologe vermisst Schloss mit Hilfe des FARO Laser Scanners

Die erste historische Erwähnung des Schloss Chillon wird ins Jahr 1005 datiert. Auch die ältesten, heute noch sichtbaren Bebauungen stammen aus dem 11. Jahrhundert, Teile des inneren Burgbezirks etwa, oder der Hauptturm. Über die Jahrhunderte wechselten die Hausherren: Sie bauten die Wasserburg nach ihren Vorstellungen um, legten neue Verteidigungsvorrichtungen an. Aus Platzmangel, die Insel misst nur 120×45 Meter, wurde zumeist auf- und ineinander gebaut. Vom Schloss existieren keine vollständigen Pläne. Der Archäologe Olivier Feihl, Gründer und Inhaber von Archeotech in Epalinges bei Lausanne, wurde beauftragt das Schloss zu vermessen. Er nutzte dafür den FARO Laser Scanners LS 880. Das Ergebnis waren millimetergenaue Pläne und Mauern des Chateaus.

Aufnahmen des Laser Scanners ergeben am PC Modell des Schlosses

Die Vermessung eines Objekts dieser Größe erfordert mehrere Tausend Scans. Nach der Arbeit vor Ort müssen diese am PC auch zusammenpassen. Olivier Feihl setzte hierfür anfangs unzählige, kaum erkennbare Messpunkte, die er genau vermaß und in ein dreidimensionales Koordinatensystem übertrug. Dank dieser Referenzen kann er jede Aufnahme des Laser Scanners genau lokalisieren und die zahllosen Scans nach und nach nahtlos zusammenfügen. Hier verbirgt sich auch der Löwenanteil der Arbeit: Während die einzelnen Scans nur wenige Minuten dauern und in Echtzeit auf einen Laptop übertragen werden, ist das Zusammensetzen der Aufnahmen am PC sehr rechenintensiv. Pro Stunde vor Ort rechnet Feihl mit 20 Stunden am Computer.

3D-Dokumentation deckt Rätsel des Schlosses auf

Dass diese Arbeit nicht einfach einem Vermessungsspezialisten, sondern dem Archäologen anvertraut wurde, zahlt sich aus: Mit seiner Ausbildung und Erfahrung kennt Feihl nämlich nicht nur die verschiedenen Stilepochen sehr genau und weiß, auf was er achten muss. Dank seinem geschulten Auge entdeckt er auch immer wieder Dinge, die selbst Kennern, wie den Kuratoren und Verwaltungsangestellten bisher vorborgen blieben oder ihnen Rätsel aufgaben. Mysteriöse Risse in einem Gewölbe, die sich sogar durch die einzelnen Steine durchziehen, konnte er dank dem aus seinen Scans generierten 3D-Modell schnell erklären: Im oberen nur über weite Umwege zugänglichen Stockwerk wurde eine Mauer versetzt gebaut und drückt statt auf die untere tragende Mauer aufs Gewölbe. Wegen der fehlenden Pläne blieb das bis heute unentdeckt.

Geschichte in Schichten

Überhaupt haben es die Wände im Schloss Chillon in sich: Der große Turm beispielsweise, der heutigen Besuchern als fensterloser Bau mit wenigen schmalen Scharten erscheint, wies früher etliche große Fenster auf. An einer anderen Stelle sieht man neben den Resten eines Torbogens in einer Mauer ein gotisches Fenster. Doch erst der kritische Blick des Fachmanns erkennt eine Signatur, die bei Vergrößerung die Jahreszahl 1906 verrät: Das Fenster ist ein täuschend echtes Faksimile. Auch unscheinbarste Veränderungen und Aufbauten offenbart der Laser Scanner leicht, denn er gibt auch geringste Wölbungen und Einbuchtungen wieder, die dem menschlichen Auge verborgen bleiben.

Die 3D-Dokumentation des Schloss Chillon war eine komplexe Aufgabe. Doch mit Hilfe des Laser Scanners innerhalb zwei Jahren realisierbar. Dank der leichten Handhabe des FARO Laser Scanner LS 880 war kein großes Vermessungsteam nötig. Die Arbeiten wurden von einem Archäologen durchgeführt, der neben der Vermessungsarbeit zusätzlich viele historische Details des Objekts aufdeckte.

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